Bauprojekte Brückenhof

Internationaler Garten Brückenhof

 

Bauverlauf 2008

 

2009

2011

2012

2013

2015

2016

 
Nach langjähriger Vorbereitung und verschiedenen Anläufen konnte am 27. Juni 2008 der „Internationale Garten Brückenhof“ mit einer schönen Feier eingeweiht werden.

Rahmen:

Das Kasseler Wohnquartier Brückenhof ist gekennzeichnet durch viele z.T. bis 17-geschossige Hochhäuser. Hier leben circa 5.500 Menschen aus fast 100 Nationen. Zahlenmäßig stark vertreten sind Aussiedler und afghanische und eritreische Familien.

Das Wohnquartier wird über das Städtebauförderungsprogramm „Stadtumbau west-Oberzwehren“ gefördert. Über das soziale Begleitprogramm LOS konnte im Förderzeitraum 2007/2008 das Vorhaben eines Gartens für die Brückenhofer Bevölkerung angestoßen werden.

Auf Initiative des Frauentreff Brückenhof hat sich eine Gruppe von 17 Frauen mit ihren Familien gefunden, die seit einem halben Jahr gemeinsam daran arbeiten, einen Garten zu gründen und ihre ideen zu verwirklichen.

Der Frauentreff übernahm die Projektverantwortung und ist Pächter des Grundstücks.

Ein Unterstützerkreis bestehend aus Mitarbeiterinnen des Frauentreffs, Vertretern des Amtes für Stadtplanung und Bauaufsicht der Stadt Kassel, ein Architekt für Landschaftsplanung und Mitarbeiter von GALAMA( einem Projekt des Kasseler Sozialamtes) unterstützte die Bauphase und engagierte sich immer wieder aktiv bei aufkommenden Fragen.

Ziele:

Jeder interessierten Bewohnerin aus dem Brückenhof die Möglichkeit zu geben, ein eigenes Stückchen Land zu bewirtschaften

das Gartengelände gemeinsam zu betreiben

bei der Gartenbearbeitung nach biologischen Regeln zu handeln

Erfahrungen aus zu tauschen und voneinander zu lernen

die gesunde Ernährung der Familien zu verbessern

günstig Lebensmittel zu produzieren

den Kindern die Natur näher zu bringen

friedlich und in guter Nachbarschaft die Freizeit zu verbringen

Ablauf:

Bei Gruppentreffen wurden Regeln vereinbart und neue Kontakte zur Unterstützung geknüpft. Ein 1.700 qm großes Grundstück wurde von einer Wohnungsbaugesellschaft zur Verpachtung günstig angeboten und durch die Unterstützung durch „Stadtumbau West“ konnten die nötigen Rodungs und -Vorbereitungsarbeiten bereits im Frühjahr 2008 in Angriff genommen werden.

Mit der direkten Nachbarschaft in kleineren Reihenhäusern wurde Kontakt aufgenommen und sie so in die die Verwirklichung des Projektes früh einbezogen. So erreichten die zukünftigen Gärtnerinnen auch gute Informationen über Geländebeschaffenheit und Probleme, gleichzeitig verfolgten die Nachbarn gespannt die täglichen Veränderungen und freuten sich mit den Gärtnern über Erfolge.

Ein Besuch bei den Internationalen Gärten in Göttingen lieferte den Beteiligten viel Diskussionsstoff über das nötige Regelwerk, die Parzellenaufteilung und die Wasser- bzw. Werkzeugversorgung.

Viele Fragen konnten im Vorfeld geklärt werden, lebhafte und engagierte Diskussionen entstanden nach dem praktischen Start am 9. Mai . Wie bearbeite ich eine seit Jahrzehnten brach gelegene Fläche, wie und was säe ich wann ein, wie wird gepflegt, gegossen und bearbeitet?

Wöchentliche Gruppentreffen dienen der Klärung aufkommender Fragen, aber auch der Planung und dem Austausch über Ergebnisse und Erfolge.

Seit dem Start finden sich täglich kleine und größere Gruppen auf dem Gelände ein, die nach getaner Arbeit noch diskutierend über das Gelände schlendern, unter dem Baumschatten sitzen und sich ausruhen oder anderen bei der Arbeit zu gucken. Ganz schnell wurde die Arbeit selbstverständlich in den Tagesablauf integriert, die Freizeit verlagerte sich aus der Wohnung in die Freifläche und die ersten lauen Sommerabende wurden im Garten verbracht.

Viele Projektbeteiligte hatten gute Erinnerungen an ihre Gärten in der Kindheit in Eritrea, der Türkei oder Russland. Diese lagen zum Teil schon lange zurück, aber die eigene Arbeit und die gemeinsame Beschäftigung mit dem Grabeland weckte Erinnerungen und förderte ungeahnte Erfahrungen, Wissen und Gedanken zu Tage.

Die Stimmung auf dem Gelände wurde trotz nicht einfacher Bedingungen immer besser. Viele Probleme lagen an, konnten nicht immer sofort geklärt werden und manches mußte erst einmal improvisiert werden. Aber schnell war zu beobachten, dass das gemeinsame Arbeiten zusammenschweißt, hilfsbereit denen unter die Armen gegriffen wurde, die zeitlich oder auch körperlich nicht alles bewältigen konnten und alle auch auf das Ganze bedacht waren. Nicht nur das gute Gedeihen der eigenen Parzelle wurde beachtet, auch bei gemeinsamen Aufgaben waren alle schnell bereit, mit Hand an zu legen und im Rahmen der eigenen Möglichkeiten einen Beitrag zu leisten.

Am 27. Juni war es offiziell so weit, das an einem Freitagnachmittag zuerst viele Unterstützer aus Institutionen, der Politik und der Wohnungsbaugesellschaften, aber auch die nähere Nachbarschaft eingeladen war, das neugeschaffene Grundstück in Augenschein zu nehmen und bei Kaffee und Kuchen mit den Gärtnerinnen zu plaudern, sich an dem schönen Anblick der Parzellen zu erfreuen und gemeinsam über die geleistete Arbeit zu staunen.

Neue Kontakte entwickelten sich, z.B. bot der Kleingartenverein des Stadtteils den Gärtnerinnen an, bei einem Besuch im Kleingarten nach den Sommerferien kostenlos Blumenstauden zu bekommen, damit demnächst nicht nur Gemüse, sondern auch Blumen das Gelände prägen.

Alle Besucher zeigten sich überrascht und begeistert von der schönen Anlage, freuten sich über dieses schöne Angebot für die Bewohnerinnen des Wohnquartiers. Diese wiederum zeigten stolz den Gästen ihre Arbeit, ihr Land und fühlten sich in ihrer neuen Rolle als Gastgeber und Gartenbesitzer sichtlich wohl. Zu sehen war auch, das bereits während des Festes, aber spätestens am Ende viele bereits wieder an ihrer Parzelle am Arbeiten waren, die Freude über die gute Resonanz gleich weiter in die konkrete Arbeit mündete.

Mittlerweile besteht eine Warteliste für freiwerdende Parzellen, viele interessierte Frauen haben sich vor der Einweihung, aber auch am Festtag selber in diese Liste eintragen lassen. Es besteht die Hoffnung auf eine Erweiterung des Grundstückes.

Vorerst aber möchte die Gruppe einen Sommer Erfahrungen sammeln und sich im kommenden Winter theoretisch mit Anbau und Verwertung beschäftigen, um dann in 2009 mit mehr Wissen und mehr Ruhe die Arbeit wieder auf zu nehmen.

Sichtbar für alle Beteiligten aber ist schon nach kurzer Zeit, dass ein solches Angebot vor der eigenen Haustür die Bewohnerinnen und ihre Familien fasziniert, ihr Leben bereichert und dem gesamten Stadtteil zu Gute kommt.